Sonntag, 1. Juli 2012

Ob man Sushi wohl schälen kann?

(nein, nicht wirklich, wie sich im Kaitenzushi in Osaka für den einen oder anderen Rohfischneuling herausstellte. Aller Anfang ist schwer, aber es meistens auch wert, gemacht zu werden.)

[Besuch & Golden Week, Tag 7-8], Nachtrag 02.-03. Mai

Die letzten beiden Tage haben wir in Osaka, genauer gesagt in Den-Den-Town, und Nara verbracht. Ersteres lässt sich mit "Elektrostadt" übersetzen, und ist das Osakaer Gegenstück zum Elektro-, Manga- und Anime-Viertel Akihabara in Tokyo. D.h. hier bekommt man so ziemlich alles, was Otakuherzen (Otaku, "Freak/Nerd/Geek/obsessiver Fan/...") höher schlagen lässt. Den-Den-Town ist eine riesige Ansammlung von Elektronikgeschäften aller Art, vom Kabel- und Ersatzteileladen über kleine Second-Hand-Shops bis hin zu riesigen mehrstöckigen Elektro-Allroundern, Spielehöllen, Manga-, Anime- und Erotikshops findet sich alles vorstellbare, und auch Dinge, an die man vielleicht zu Lebzeiten nicht gedacht hätte. Unsere Tour war dabei eher ungezielt und so sind wir auf gut Glück durch verschiedenste Läden zur Schnäppchenjagd gestreift, nur um mit dem Fazit weiter gen Shinsaibashi zu ziehen, dass es zwar durchaus möglich, es oft aber gar nicht so einfach ist, viel günstiger als Zuhause wegzukommen.
In Shinsaibashi waren wir shoppingtechnisch insgesamt erfolgreicher, haben aber auch die ein oder andere, teils sehr kuriose Entdeckung gemacht. Mit Abstand die verstörendste Entdeckung war ein Laden, mitten in einer der meist-frequentiertesten Einkaufsstraßen Osakas, welches in seinem Schaufenster, neben Outdoor-Ausrüstung, Camouflage-Hosen und Bundeswehr-Shirts auch solche Nettigkeiten wie SS-Uniformen in voller Ausstattung ausstellte... Nicht die Uniformen waren dabei das Interessanteste, sondern die Reaktionen darauf. Als - ich würde mal sagen - nicht Unbelasteter bezüglich dieser Thematik durchfährt einen doch im ersten Moment ein Schrecken. Ich für meinen Teil konnte mir nach dieser Schrecksekunde ein Lachen dann aber doch nicht verkneifen: Man muss sich in so einem Fall denke ich auch bewusst machen, dass Menschen, die nicht in Deutschland sozialisiert wurden, einen völlig anderen Bezug zu solcher Symbolik haben. Ob da nun der deutsche Bundesadler, ein amerikanisches Fallschirmjägerabzeichen, oder die rote Armbinde an der Uniform prangt, mag für die riesige Besuchermasse, die hier täglich direkt an den Schaufenstern vorbeikommt wohl erstmal keine große Bedeutung haben. Eine Uniform scheint erstmal einfach nur eine Uniform zu sein. Dennoch, ein leicht fahler Beigeschmack bleibt übrig... Ob Prinz Harry hier für seine Partyoutfits Ausschau hält? Man weiß es nicht...

Links: Entlang des Dotonbori-Kanals. Rechts: Überdimensionierte Werbung der Asahi-Brauerei, neben Kirin die größte des Landes. 

Links: Der Glico-Runner, Kultfigur und Fotoziel vieler Touristen. Glico ist ein japanischer Traditions-Süßigkeitenhersteller, der unter anderem Pocky (bei uns bekannt als Mikado) produziert, ein absoluter Dauerbrenner, auch bei mir ;) Rechts: Im Kaitenzushi. Einige Sezierexperimente schlugen kläglich fehl ;)

Vor dem berühmten ersten Kaitenzushi Japans, ...

... das ordnungsgemäß (die große bewegliche Riesenkrabbe ist nicht weit von hier) mit einem überdimensionierten Sushi-Exemplar auf sich aufmerksam macht.


Nach einem ausgiebigen Shoppingtag wurde es dann doch noch ein wenig Kulturell: Ganz in der Nähe der vielen Einkaufsstraßen, direkt am Dōtonbori-Kanal gelegen findet man eine kleine Besonderheit, das erste Kaitenzushi-Restaurant Japans und damit auch der Welt. Das "Mawaru Genroku Sushi" wurde 1958 eröffnet und serviert heute nach wie vor Sushi auf den berühmten Laufbändern, wie man sie heute überall in Japan findet, und das sogar noch zu einem sehr guten Preis, ganz ungeachtet der Berühmtheit dieses Ortes. Naja, trotz Berühmtheit hat es eine Weile und mehrmaliges Nachfragen gebraucht, bis wir den Laden gefunden haben. Unsere größte Hilfe war einer der "Ladenschreier", der Werbung für einen (ich glaube) Schuhladen machte. Nach einem beherzten Nachfragen zieht der doch glatt eine komplett auf einer Holzplatte professionell präparierte Übersichtskarte für das gesamte Gebiet aus einer Ablage, um uns dann höchst fachmännisch den Weg zu deuten. Ok, wir waren wohl nicht die einzigen, die den netten Herren im Laufe seiner Karriere mal nach dem Weg gefragt haben ;)

Links: Hm, dazu weiß ich jetzt auch nichts mehr zu sagen ;) Rechts: Ein Nara-"Bambi". Und nein, ich hab den Film wirklich noch nie gesehen, unglaublich...

Links: Blauregen bei Regenwetter... Rechts: Ein Blick in die Schreinanlage.

Das Wetter hat leider nicht so ganz mitgespielt, weshalb unser Aufenthalt im Kasuga-Taisha auch kürzer ausfiel, als geplant.

Ein weiterer Blick ins innere des Geländes.


Am für meine Besucher letzten Tag ging es quasi nochmal "back to the roots", (fast) zurück zum Ausgangspunkt, nach Nara. Die Hauptattraktion haben wir mit dem Todaiji zwar schon gesehen, doch in dessen relativer Nähe gibt es noch einen weiteren bedeutenden Besuchermagneten, den Kasuga-Taisha-Schrein. Der Zugangsweg zu diesem Schrein schlängelt sich durch ein Waldgebiet und ist wie das gesamte Areal drumherum belebt durch die Hirsche und - und das ist was diesen Ort ausmacht - reich beflankt mit über tausend Steinlaternen, die zu besonderen Festtagen angefacht werden und so einen wohl recht beeindruckenden Anblick erschaffen. Dass dieser Schrein zu solchen speziellen Festen ein Anrecht auf einen offiziellen Abgesandten des Tennō, also des japanischen Kaisers hat, ist eine weitere Besonderheit, denn es existiert nur knapp etwas mehr als ein Dutzend solcher Schreine, die dieses Privileg genießen. An diesem letzten Tag hat das Wetter leider nicht ganz so sehr mitgespielt, sodass alles leider etwas trübe aussah, dennoch war unser Ziel es mehr als wert, ein bisschen nass zu werden.

Am Freitag hieß es dann nach acht prallgefüllten Tagen, Abschied nehmen, und im Vergleich zu Anfang März bin ich es, der an Ort und Stelle bleibt. Und nur mit der Bahn mal eben "nach Hause" fährt. Schon ein komisches Gefühl...