Nach drei Monaten in Japan war es endlich Zeit für meinen ersten Trip nach Tokyo, eine der ikonischsten Städte der Welt...
[8. Juni 2012]
Auf einen besonderen Trip habe ich mich eine Woche danach begeben, es sollte zum ersten Mal nach Tokyo gehen. Für die meisten ist diese Megametropole - die Metropolregion Tokyo ist die größte der Welt - ja das Herz Japans, und so war natürlich auch ich gespannt, diesen Ort endlich selbst zu besuchen. Bei der Bewerbung auf den Auslandsaufenthalt während des Studiums gab es zwei Optionen für Japan, das NAIST im Süden, wo ich letztlich gelandet bin, oder die Waseda-Universität in Tokyo. In Waseda ist der Schwerpunkt eher auf Robotik, und so war forschungstechnisch das kleinere NAIST interessanter für mich. Mein Betreuer hat mir allerdings den Süden zusätzlich noch ans Herz gelegt, da die Gegend seiner Meinung nach interessanter sei und damit auch einen besseren Eindruck vom Land bieten würde, Tokyo dagegen ist und bleibt am Ende eben eine gigantische Stadt. Und dennoch eine Stadt mit hoher Anziehungskraft, auch für mich...
Als Student mit knappem Budget konnte ich mir den Shinkansen, also den Schnellzug, nach Tokyo nicht einfach mal so leisten, also musste eine günstigere Alternative her. Es wurde mir von Studenten, die oft für Jobinterviews nach Tokyo tingeln der Nachtbus empfohlen. Mit beschränkten Sprachkenntnissen ist die Buchung allerdings nicht ganz einfach. Glücklicherweise gibt es in Japan einen großen national operierenden Anbieter, der seine Dienste auch auf Englisch zur Verfügung stellt, und das hat die ganze Geschichte erheblich vereinfacht. Den "Willer Express-"Nachtbus für 8400¥ hin und zurück habe ich somit glücklicherweise bequem online buchen und dann im nahelgelegenen Lawson-Konbini bezahlen können. Freundlicherweise durfte ich mir für den Trip einen Freitag frei nehmen, und so habe ich mich am 7. Nachts von Namba mit dem Bus auf den Weg gemacht, Endstation Tokyo Disneyland, Fahrtzeit 10 Stunden. Wie eine solche Reise durch die Nacht aussieht, wusste ich ja schon vom Skitrip, den ich in den ersten Tagen in Japan mitgemacht habe. Alle paar Stunden verlässt der Bus den Highway, um auf Raststätten zu halten, die einem eine kurze Auszeit, eine Mahlzeit oder Snack, und natürlich jede Menge Omiyage (Reise-Souvenirs, meistens essbar) (an)bieten. Zur Morgendämmerung rollte ich mit dem Bus bereits durch den Tokyoter Häuserdschungel, und gerade aus meinem nicht allzu komfortablen Schlaf erwacht spähte ich ganz neugierig aus dem Fenster und habe den Sonnenaufgang genossen. Der erste Anblick der teils hochmodernen Hochhäuser, extravaganten Fassaden weltbekannter Firmen-Hauptquartiere, Highways die sich vierfach übereinander lagern, der vorbeischnellenden Hochgeschwindigkeitszüge, das alles hat mich sehr fasziniert. Obwohl ich das alles ja schon von Osaka kannte, war die simple Tatsache, dass ich nun durch Tokyo fahre, irgendwie ganz von neuem aufregend.
| Ankunft am Tokyo Disneyland, leider nicht Teil meines kurzen Trips |
Der Themenpark war nicht Teil meines Trips, sondern nur der an meiner Unterkunft am nächsten gelegene Stop. Von dort aus dauerte es mit dem Regionalzug noch einmal fast eine Stunde, bis ich endlich an meinem Ziel angekommen bin. Aus Budget- und aus planerischen Gründen habe ich mir ein Bett im Chiba-shi Youth Hostel, einer Jugendherberge in Chiba - eine der zahlreichen Satellitenstädte Tokyos - gebucht. Für solche Gelegenheiten hatte ich mir in Deutschland sogar noch einen Jugendherbergsausweis besorgt! Zu meinem Glück war die Herberge an dem Wochenende nicht sehr stark besucht, und so hatte ich das komplette Wochenende über ein Mehrbettzimmer ganz für mich alleine. Chiba habe ich mir auch deshalb als Bleibe ausgesucht, da am Samstag dieses Wochenendes in der Makuhari-Messe an der Küste Chibas ein großes Jubiläumskonzert einer meiner absoluten japanischen Lieblingsbands stattfand. Doch zuerst stand Sightseeing auf dem Plan! Ich war bereits gegen 10 Uhr an der Herberge, Zeit war also noch genug vorhanden, etwas die Megastadt zu erkunden. Also mit dem Zug zurück ins große Getümmel.
| Eindrücke aus Akihabara, DEM Viertel für Anime- und Mangakultur. |
Von Asakusa aus machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum in westlicher Richtung nicht allzu weit entfernten Ueno-Park mit seinem großen Lotus-See. Allzu lange habe ich mich dort allerdings nicht aufgehalten und bin stattdessen lieber durch die verwinkelten Gassen in der Nähe geschlendert, wo ich immer wieder noch in altem Stil erbaute Holzhäuser erspäht habe, ein interessanter Kontrast zu anderen Stadtteilen. Die letzten Stunden des Nachmittags habe ich dazu genutzt, mir Akihabara genauer anzusehen, DEM legendären Viertel für alle Auswüchse japanischer Popkultur, vollgepackt mit allem was mit Anime, Manga, Videospielen und Elektronik zu tun hat. Was man in Osaka in "Den Den Town" vorfindet, wird hier nochmal auf die Spitze getrieben. Kurz vor 8 Uhr Abends war ich wieder zurück in der Jugendherberge, bereit für eine gute Mütze Schlaf nach diesem langen Tag.