Eine ganze Menge, musste ich feststellen! Die Devise: Mit Warmstart in einer Woche von Null auf Hundert...
Da bin ich also wieder, nach 24 Stunden Anreise, müde, aber mit einem Gefühl des endlich-wieder-da-seins. Nicht, dass es mir Zuhause nicht gefallen hätte, ganz im Gegenteil. Ich muss zugeben, nachdem ich von meinem letzten Japan-Aufenthalt wieder nach Deutschland zurückgekehrt bin, bedurfte es einer gewissen Zeit, bis ich mich wieder wie "Zuhause" fühlte. Als es dann soweit war, hat sich dieser Begriff für mich über die Zeit doch merklich gewandelt. Plötzlich wird einem die Wichtigkeit bzw. Bedeutung gewisser Umstände und Gegebenheiten erst so richtig bewusst. Man könnte sagen, dieses Ausklinken aus dem alten Rahmen, und letztlich das wieder Einfügen in selbigen, gepaart mit den Erfahrungen der vergangenen Monate hat mich in meiner persönlichen Entwicklung ein ganzes Stück nach vorne katapultiert. Das war es letzlich auch, was ich mir damals wirklich ersehnte, das (zumindest kurzzeitig) völlige Rausgerissen-werden aus dem Umfeld, das man kennt, und ins völlig Unbekannte geworfen werden.
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| Nach 24 Stunden darf man auch schonmal fertig aussehen. |
Diesmal ist das alles anders. Ich komme an und weiß sofort wo ich bin. Ich weiß, was ich zu tun habe, erstmal ab durch die Kontrollen, Gepäck schnappen, raus in die Empfangshalle. Wo mich auch schon mein privater Chauffeur in Form von Akane erwartet. Wo ich das letzte mal mutterseelenallein meinen Weg nach Ikoma suchen musste, steige ich dieses mal aus dem Flieger aus und weiß, dass mich viele wunderbare Freunde erwarten werden.
Als wir uns mit dem Auto auf den Weg machen ist es schon 22 Uhr durch, meine Anreise ging diesmal über Peking, wo ich gute 6 Stunden (inklusive Verspätung) warten musste. Entsprechend müde bin ich, und sehne mich nach einem Zimmer mit Dusche und einem Bett. Wir tauschen die Erlebnisse der letzten 8 Monate aus und lachen viel. Die gute Stunde Autofahrt durch die Gebäudemassen von Osaka genieße ich, und freue mich auf die erstmal nächsten 3 Monate hier.
Ich wohne diesmal wieder an der Uni, allerdings in einem anderen Gebäude. Akane fährt mich bis vor die Haustüre und verabschiedet sich bis in zwei Wochen, für sie ruft Amerika und der Job. Ich mache mich auf, mein Apartment zu besiedeln und erstmal die Dusche auf angenehme 48 Grad aufzudrehen. Und schlafe anschließend wie ein Stein ;)
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| Das "Garb" an der Uferpromenade. |
Ganz unbeabsichtigt, aber sehr willkommen, bin ich genau in der "Golden Week" angekommen, der berühmten Woche mit den drei Feiertagen, wo ganz Japan in Freimach- und Reiselaune ist. Und auch ich nutze direkt die freie Zeit des schon begonnenen Wochenendes für einen Trip in die City, um mich mit einer Freundin zu treffen und mich wieder an japanisches Essen zu gewöhnen. Der Tag darauf ist Sonntag, und auch da gehts in die Stadt. Nach der Kirche gehen wir in einer kleinen Gruppe Nakanoshima (中之島, übers. in etwa "Insel, die in der Mitte verläuft") erkunden, einer Sandbank mitten in einem Seitenarm des Yodo-Flusses, der durch die Stadt fließt. Hier gibt es neben dem Rathaus der Stadt und vielen Geschäftsgebäuden auch zahlreiche Möglichkeiten zu Essen und zu entspannen. Wir sehen, wie gerade die Reste eines kleinen Festes beseitigt werden und entschließen uns, das "Garb" auszuprobieren, ein Restaurant, das zu einer kleinen Kette in Japan gehört und überwiegend westliches Essen anbietet. Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenuntergang sitzt es sich besonders gut draußen.
Der Sonnenuntergang auf Nakanoshima war wie aus dem Bilderbuch. Rechts unten: Osaka bei Nacht. Das große Gebäude ist das "Osaka Sky Building" im Stadteil Umeda. Beliebt für Panoramaschnappschüsse.
Montag, Feiertag, und schon ganze 3 Tage wieder im Land. Wird langsam Zeit für ein Konzert, fand ich. Und da hat sich das "Brutal Golden Massacre" direkt angeboten. Naja, direkt ist ein bisschen übertrieben, das Ticket habe ich mir schon von Deutschland aus hinterlegen lassen ;) Also auf ein Neues in die Stadt! Der Gig steigt im supergemütlichen "Hokage", mitten im Herzen von Amerika-Mura (des eigentlich eher zu Unrecht so betitelten Stadtteils) wo sich alles trifft was jung und hip ist. Das Hokage ist im ersten und zweiten Untergeschoss eines Hauses, in dem sich noch mindestens ein weiterer Konzertschuppen befindet. Da ich schon früher hier war, wusste ich, wo es hingeht. Nur die "Größe" habe ich dann wohl doch etwas verdrängt. Viel mehr als etwa 30 Leute passen nicht in den Konzertraum, Band miteingerechnet, versteht sich... Als ich ankomme, ist eine Band auch schon ordentlich am Schreddern. Nach dem ersten Auftritt treffe ich meinen alten Konzertkumpel Toshihiro, den Zeichner wieder. Mit ihm unterhalte ich mich den ganzen Abend immer wieder, überwiegend auf Japanisch. Und ich bin irgendwann dann selbst sehr erstaunt, dass es immer wieder Themen gibt, zu denen ich mich artikulieren kann, ohne auf Englisch oder Hände und Füße umsteigen zu müssen. Um ganz ehrlich zu sein, als ich daheim war, war ich was das Lernen angeht ausgesprochen sparsam. Bis auf einige Male Vokabeln lernen und mit meiner ehemaligen Japanischlehrerin treffen war da nicht viel Aktivität. Mein Gehirn muss die Zeit wohl genutzt haben, heimlich im Hintergrund weiterzuarbeiten, ohne mich darüber zu informieren ;)
Links: Die Bar des Hokage. Hier landet jeder mindestens ein mal am Abend: Zum Eintritt gehört bei jedem japanischen Konzert der Kauf einer Getränkemarke. Rechts: GxSxD, die japanische Variante von Vader.
Links: Blunt Force Trauma. Viel größer als das was man auf dem Bild sieht, ist der Konzertraum nicht! Rechts: Abschlussbild mit dem Drummer von Infernal Revulsion, einer wahren Institution im japanischen Death Metal.
Der Abend macht viel Spaß, und unter den 8 gesehenen Bands gab es nicht nur eine positive Überraschung. Die letzte Band, wegen der ich vornehmlich hier war, verabschiedete mit diesem letzten Kansai-Gig ihren Drummer, der in Bälde nach Toronto ziehen wird. Nach weiteren Unterhaltungen nehme ich den "last train" mit der Tasche voll neuer CDs und hau' mich zufrieden aufs Ohr.
Der Dienstag wurde dann also mein erster Arbeitstag. Das letzte mal noch als Student am NAIST, bin ich dieses mal "Visiting Researcher". Ein gutes Gefühl :) So manches Gesicht ist aber leider nicht mehr im Lab anzutreffen, da viele nach ihrem Abschluss direkt in den Beruf gewechselt sind. Von den Alteingesessenen haben sich dennoch ein paar dafür entschieden, einen PhD (Doktor) draufzusetzen. Und auch die letztjährigen Neueinsteiger sind alle noch da. Meinen Platz habe ich neben Shimizu-kun, der das letzte mal zu einem meiner engsten Studienkollegen hier wurde. Mit ihm und weiteren Leuten, u.a. einem weiteren deutschen aus Karlsruhe, der hier gerade seine Masterarbeit schreibt, geht es dann in der gleichen Woche auch direkt ins Onsen. Diese Wohltat habe ich echt vermisst ;)










