(Wenn die Kirschblütenzeit ihr Ende erreicht und die Äste von den Frühlings-Windböen erfasst werden, beginnt der Hana-arashi (花嵐), der Blütensturm. Dann sieht sieht es tatsächlich aus wie Schnee, wenn Millionen weißer Blütenblätter durch die Luft getragen werden...)
[Teil 3/3]
Das Besuchen des Gebietes Yoshino im Süden der Präfektur Nara gehört zur Königsdisziplin der Kirschblütenschau. Das beweist nicht nur die Tatsache, dass die bekannteste japanische Kirschbaumart sich den Namen mit diesem Ort teilt. Bereits in Deutschland wurde mir von meiner Japanischlehrerin ausdrücklich empfohlen, Yoshino in der Kirschblütenzeit zu besuchen, und so verspürte ich auch ein starkes Pflichtgefühl, dieser Empfehlung nachzukommen. Leider musste ich mich am Ende dann doch allein auf die 2-Stündige Reise nach Süd-Nara begeben, denn die Wettervorhersage hat der Gesamtplanung einen Strich durch die Rechnung gemacht: Anstatt im Rahmen eines gemeinsamen Ausflugs am dritten Aprilwochenende habe ich mich nun also noch unter der Woche mit offizieller Erlaubnis meines Professors alleine auf den Weg gemacht ;)
Bepackt mit Rucksack, Regenschirm, Verpflegung und reichlich Kartenmaterial (aber ohne Wanderschuhe) ging es morgens los Richtung Bahnhof und ab mit dem Express nach Yoshino, vorsichtshalber habe ich mich auf alle Eventualitäten vorbereitet...
Noch im Zug auf dem letzten Abschnitt werde ich ein weiteres Mal bestätigt, dass es keine gute Idee gewesen wäre, den Ausflug nicht zu machen: Mittlerweile ja schon Routine, werde ich von einer japanischen Frau auf (gutem) Englisch angesprochen mit der Frage, ob sie sich denn mit mir unterhalten dürfe. Natürlich darf sie das ;) Und so erfährt sie nicht nur von mir, warum ich nach Yoshino will, sondern ich von ihr, dass sie die gleichen Planänderungen vorgenommen hat wie ich. Mit dem Unterschied, dass sie ihre Reise in Tokyo begonnen hat! Ursprünglich aus Osaka stammend, lebt sie nun im mehr als 500 km entfernten Kanto-Großraum. Doch für die Kirschblütenschau in Yoshino fährt sie jedes Jahr zurück in die alte Heimat, hat sie mich wissen lassen. Doch ich erfahre noch viel mehr: Anfang der 1980er Jahre lebte sie, bedingt durch den Beruf ihres Mannes, für 3 Jahre im europäischen Ausland. Nicht in irgendeinem Land, nein, zu meinem Erstaunen war es die Tschechoslowakei... nicht unbedingt das erste Land, an das man als Wahlheimat eines japanischen Paares denken würde. Bedingt durch die Nähe zu Deutschland und den Mangel an Allem in ihrer temporären Heimat, machte sie sich in dieser Zeit oft auf den Weg über die Grenze, in ein kleines Städtchen namens Weiden, um dort im Westen zu kaufen, was es sonst im Osten nicht gab. An ihren Erzählungen fällt mir auf, dass sie auch heute noch zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet. Und das war dann auch das bei weitem Faszinierendste an unserer Unterhaltung: Meine Gesprächspartnerin war nach der Rückkehr in ihre Heimat - im Gegensatz zu ihrem Mann - nie wieder in Deutschland. Sie hat die vielen Veränderungen, die es in den letzten fast 35 Jahren gab, nie mit eigenen Augen gesehen, und so existiert in ihrem Kopf immer noch weitestgehend das Deutschland aus den frühen 80er Jahren. Ein ziemlich verrückter Gedanke, wie ich finde!
Sie hat mir verraten, eines Tages nochmal nach Deutschland reisen zu wollen, und am allerliebsten das Weiden von Heute sehen zu wollen, ob es immer noch Ähnlichkeit zu Damals hat...
Kurz vor unserem Halt wünscht sie mir eine gute Reise, und macht sich selbst auf den Weg ihrer alljährlichen Kirschblütenschau.
Oder sollte ich sagen, Wanderung? Dass der Tag mit viel Laufen verbracht werden würde, wusste ich schon vorher und habe ich auch absichtlich so geplant. Yoshino ist ein sehr hügeliges, bewaldetes Gebiet. Die Endstation Yoshinoyama ("Yoshino-Berg") befindet sich am Eingang eines kleinen Städtchens oder eher Dörfchens, durch welches sich der Hauptweg schlängelt, auf dem sich die Touristen durch das Tal zwischen den mit Kirschblütenbäumen bewaldeten Hügeln bewegen. Der Weg durch das Dorf ist fast durchgehend flankiert mit Souvenir- und Handwerksläden und Restaurants. Viel interessanter sind jedoch die unzähligen Tempel und Schreine, die sich in diesem Gebiet und vor allem entlang des Weges, der einen im Übrigen zu einem der höchsten Punkte dieses Areals führt, befinden. Da ich mich an diesem Tag nicht mit Unvollständigkeiten abgeben wollte und mir das volle Programm geben wollte, entschied ich mich dazu, bis zu diesem Punkt zu kommen und den Schrein auf der Spitze mit eigenen Augen zu sehen ;) Das ist alles in allem auch gar kein Problem, denn weitere Strecken lassen sich hier bequem entweder mit Seilbahn oder Busverbindungen überbrücken.
Das Besuchen des Gebietes Yoshino im Süden der Präfektur Nara gehört zur Königsdisziplin der Kirschblütenschau. Das beweist nicht nur die Tatsache, dass die bekannteste japanische Kirschbaumart sich den Namen mit diesem Ort teilt. Bereits in Deutschland wurde mir von meiner Japanischlehrerin ausdrücklich empfohlen, Yoshino in der Kirschblütenzeit zu besuchen, und so verspürte ich auch ein starkes Pflichtgefühl, dieser Empfehlung nachzukommen. Leider musste ich mich am Ende dann doch allein auf die 2-Stündige Reise nach Süd-Nara begeben, denn die Wettervorhersage hat der Gesamtplanung einen Strich durch die Rechnung gemacht: Anstatt im Rahmen eines gemeinsamen Ausflugs am dritten Aprilwochenende habe ich mich nun also noch unter der Woche mit offizieller Erlaubnis meines Professors alleine auf den Weg gemacht ;)
Bepackt mit Rucksack, Regenschirm, Verpflegung und reichlich Kartenmaterial (aber ohne Wanderschuhe) ging es morgens los Richtung Bahnhof und ab mit dem Express nach Yoshino, vorsichtshalber habe ich mich auf alle Eventualitäten vorbereitet...
Noch im Zug auf dem letzten Abschnitt werde ich ein weiteres Mal bestätigt, dass es keine gute Idee gewesen wäre, den Ausflug nicht zu machen: Mittlerweile ja schon Routine, werde ich von einer japanischen Frau auf (gutem) Englisch angesprochen mit der Frage, ob sie sich denn mit mir unterhalten dürfe. Natürlich darf sie das ;) Und so erfährt sie nicht nur von mir, warum ich nach Yoshino will, sondern ich von ihr, dass sie die gleichen Planänderungen vorgenommen hat wie ich. Mit dem Unterschied, dass sie ihre Reise in Tokyo begonnen hat! Ursprünglich aus Osaka stammend, lebt sie nun im mehr als 500 km entfernten Kanto-Großraum. Doch für die Kirschblütenschau in Yoshino fährt sie jedes Jahr zurück in die alte Heimat, hat sie mich wissen lassen. Doch ich erfahre noch viel mehr: Anfang der 1980er Jahre lebte sie, bedingt durch den Beruf ihres Mannes, für 3 Jahre im europäischen Ausland. Nicht in irgendeinem Land, nein, zu meinem Erstaunen war es die Tschechoslowakei... nicht unbedingt das erste Land, an das man als Wahlheimat eines japanischen Paares denken würde. Bedingt durch die Nähe zu Deutschland und den Mangel an Allem in ihrer temporären Heimat, machte sie sich in dieser Zeit oft auf den Weg über die Grenze, in ein kleines Städtchen namens Weiden, um dort im Westen zu kaufen, was es sonst im Osten nicht gab. An ihren Erzählungen fällt mir auf, dass sie auch heute noch zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet. Und das war dann auch das bei weitem Faszinierendste an unserer Unterhaltung: Meine Gesprächspartnerin war nach der Rückkehr in ihre Heimat - im Gegensatz zu ihrem Mann - nie wieder in Deutschland. Sie hat die vielen Veränderungen, die es in den letzten fast 35 Jahren gab, nie mit eigenen Augen gesehen, und so existiert in ihrem Kopf immer noch weitestgehend das Deutschland aus den frühen 80er Jahren. Ein ziemlich verrückter Gedanke, wie ich finde!
Sie hat mir verraten, eines Tages nochmal nach Deutschland reisen zu wollen, und am allerliebsten das Weiden von Heute sehen zu wollen, ob es immer noch Ähnlichkeit zu Damals hat...
Kurz vor unserem Halt wünscht sie mir eine gute Reise, und macht sich selbst auf den Weg ihrer alljährlichen Kirschblütenschau.
Oder sollte ich sagen, Wanderung? Dass der Tag mit viel Laufen verbracht werden würde, wusste ich schon vorher und habe ich auch absichtlich so geplant. Yoshino ist ein sehr hügeliges, bewaldetes Gebiet. Die Endstation Yoshinoyama ("Yoshino-Berg") befindet sich am Eingang eines kleinen Städtchens oder eher Dörfchens, durch welches sich der Hauptweg schlängelt, auf dem sich die Touristen durch das Tal zwischen den mit Kirschblütenbäumen bewaldeten Hügeln bewegen. Der Weg durch das Dorf ist fast durchgehend flankiert mit Souvenir- und Handwerksläden und Restaurants. Viel interessanter sind jedoch die unzähligen Tempel und Schreine, die sich in diesem Gebiet und vor allem entlang des Weges, der einen im Übrigen zu einem der höchsten Punkte dieses Areals führt, befinden. Da ich mich an diesem Tag nicht mit Unvollständigkeiten abgeben wollte und mir das volle Programm geben wollte, entschied ich mich dazu, bis zu diesem Punkt zu kommen und den Schrein auf der Spitze mit eigenen Augen zu sehen ;) Das ist alles in allem auch gar kein Problem, denn weitere Strecken lassen sich hier bequem entweder mit Seilbahn oder Busverbindungen überbrücken.
Links: Die Seilbahn, die mich von der Endstation hinauf zum Beginn des Dorfes bringt, durch das sich der Weg für die Touristenscharen schlängelt. Rechts: Die Kirschblüten sind bereits im Dorf überall zu bewundern.
Die Wege sind gesäumt von allerlei Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten, ...
... die Hauptattraktionen neben den Kirschblüten sind aber natürlich die zahlreichen Tempel und Schreine überall entlang des Weges und verteilt in den verschiedensten Winkeln des Dorfes.
Da auf den schmalen Wegen teilweise auch Autos verkehren, wird es bei den Scharen an Touristen zeitweise ziemlich eng.
Vor Tempel- und Schreineingängen werden gerne Schnappschüsse gemacht, ganz besonders dann, wenn der Wind gerade wieder ein paar der Blüten fallen lässt.
Um die obligatorischen Touri-Schnappschüsse bin ich gar nicht herumgekommen, sobald man sich etwas länger vor einer guten Szene aufhält, wird man automatisch gefragt, ob man ein Bild machen soll ;)
Der buddhistische Tempel Kinpusen-ji inmitten des Dorfes ist seit 2004 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Das mit der Seilbahn hat auch ganz gut funktioniert: Kurz nach dem Bahnhof findet man eine kleine Seilbahnstation, die einen bis zu besagtem Dorf transportiert. Von dort aus kann man sich zu Fuß aufmachen und durch die Gassen, vorbei an den Verkaufsständen und Schreinen schlendern. Will man noch höher hinaus, sollte man die nahegelegene zentrale Bushaltestelle aufsuchen, die eine Verbindung zu höheren Punkten anbietet. Dieser Service wird generell stark in Anspruch genommen, denn höher hinaus wollen fast alle. Die Kirschblüten sind zwar schon im Dorf zahlreich zu bewundern, doch um die berühmten von Kirschblüten überzogenen Hänge zu sehen, muss man höher gelegene Punkte aufsuchen.
Tja... leider habe ich es nicht so ganz hinbekommen, das mit dem Bus auf die Reihe zu kriegen. ;) Nachdem ich zwei oder drei mal nach der Haltestelle gefragt habe, und jedes mal in eine andere Richtung geschickt wurde, dann schließlich doch an der vermutlich Richtigen stand, und nach weiterem Nachfragen doch wieder woanders hingeschickt wurde, hab ich mich kurzerhand für den Gipfelsturm per Pedes entschieden! Auf der Karte sieht das auch gar nicht soo weit aus ;)
Tja, ab hier sollen die Bilder meiner kleinen großen Wandertour durch Yoshino weitererzählen:
Links: Eines der begehrtesten Ausblicke in Yoshino, die mit weiß-rosanen Blüten überzogenen Hänge der umgebenden Hügel. Rechts: Die Touristenscharen aus der Beobachterperspektive...
Links: Rituelles Händewaschen an einem der Tempel etwas abseits des Weges. Rechts: Inmitten des Blütensturms...
... der für eine kurze Zeit die Landschaft komplett verändert. Man findet sich in einer unwirklichen, unglaublich schönen Szenerie wieder, die mit Bildern gar nicht einzufangen ist!
Rings um mich brechen Menschen in Jubelrufe aus, ich höre überall nur noch きれい und すごい (kirei, "schön!" und sugoi, "wundervoll!") ^^
Der Blütensturm hält für einige Minuten an, währenddessen die Blütenblätter gar kein Ende zu nehmen scheinen...
... und man sich irgendwann tatsächlich vorkommt, als stünde man im Schneesturm, mitten im Frühling.
In den etwas höher gelegenen Bereichen postieren sich die Profis mit ihren Teleobjektiven, ...
... während ich mich an ein paar Panoramaschüssen versucht habe.
Rechts ist so ein klassisches Motiv, für das die Hobbyfotografen beachtliche Mengen an Ausrüstung die Hügel hochschleppen.
Viele der Tempel und Schreine schaue ich mir ebenfalls genauer an, die mit Blüten geschmückt sicher nochmal ganz anders wirken als sonst.
Eine der Belohnungen für den langen "Aufstieg": Das trüber werdende Wetter verzaubert die weite Landschaft nochmal auf ganz andere wundervolle Weise.
Der Schrein auf dem "Gipfel" der höchsten Erhöhung am Ende des Weges. Ihn wollte ich am Ende des Tages mit eigenen Augen sehen, alles andere hätte mich geärgert ;)
Abseits des Weges, etwas unterhalb des Schreins befindet sich ein großer Aussichtspavillon, von dem aus man über das gesamte Tal blicken kann.
Auch auf dem Rückweg sind die Blüten noch zu bestaunen, während sich die Straßen langsam leeren, die Läden zu machen und sich kurz vor meiner Abfahrt so die Wolkendecke endgültig zuzieht und der beginnende Regen die Kirschblütenzeit beenden wird.
Am Ende dieses Tages habe ich für mich selbst mal die Bilanz gezogen: Ich bin hin und zurück 3,5 Stunden im Zug gesessen, habe in 7 Stunden gute 10,5 km und 600 Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt, und alles in allem etwa 300 Bilder geschossen. Ich glaube, ich kann guten Rechts behaupten, den Tag ganz gut genutzt zu haben ^^
Der Yoshino-Ausflug hat dann auch für mich das Ende meiner ersten Kirschblütenzeit markiert, und das in der vermutlich majestätischsten Form...



Neiiiiid!! Tolle Bilder :)
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