...wären die Japaner Weltmeister darin.
Aber erstmal einen Schritt zurück: Wo bin ich denn nun überhaupt? Ich biiin genau...
Aber erstmal einen Schritt zurück: Wo bin ich denn nun überhaupt? Ich biiin genau...
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"Hier" heißt: Ich wohne momentan in einem Apartment in Ikoma, einem süßen kleinen japanischen Städtchen mit 120.000 Einwohnern. Auf dem Land also. Hihi, naja, so "schlimm" ist es natürlich nicht ;) Ikoma befindet sich in der Präfektur (japanisches "Bundesland") Nara. Die Präfektur Nara wiederum ist Teil des Gebiets Kinki (das ist der verwaltungstechnische Name) bzw. Kansai (das ist der kulturlandschaftliche Name). Und das Gebiet Kansai liegt im Westen der großen Hauptinsel Japans, Honshū. In unmittelbarer Nachbarschaft Ikomas liegen die Metropolen Ōsaka, Kyōto, Kōbe und Nara, insgesamt tummeln sich in diesem Großraum fast 23 mio. Menschen! Die Präfektur Nara hat unter den Japanern den Ruf, insgesamt ein etwas ruhigeres Gemüt zu besitzen. Und das ist genau mein Ding! Mit jedem Tag bin ich froher, hier aufgeschlagen zu sein als in einer der immerwachen Megacities. Hier gibt es Hügel und kleine Berge, Flüsse, Wald, freie Flächen, also alles was ich zum Leben so brauche ;) Dennoch muss man auf absolut nichts verzichten, mit dem perfekt ausgebauten Verkehrsnetz kommt man in jeden noch so kleinen Winkel.
Wenn ich mehr über diese Gegend hier gelernt habe, möchte ich noch mehr dazu schreiben, denn das Kansai-Gebiet ist aufgrund seiner historischen Relevanz eines der absolut wichtigsten Landstriche Japans. Man kann sogar behaupten, hier hat Japan seinen Ursprung (und an dieser Stelle schiele ich gaaanz unauffällig Richtung Blog-Untertitel...)
Mein Apartment werde ich insgesamt nur zwei Wochen lang bewohnen, danach werde ich umgesiedelt in das zum NAIST zugehörigen Gästehaus.
Nun aber weiter mit dem zweiten Tag bzw. Wochenende:
Denn es ging gleich mit Vollgas weiter, keine Zeit, überhaupt an ein kurzes Zu-sich-kommen zu denken! Um 7 aufgewacht, war ich doch schon ein bisschen stolz, nicht allzu sehr am Jet zu laggen, meine Strategie ging anscheinend auf ;)
Also ab ans NAIST und versuchen, ein bisschen produktiv zu sein. Hätte ich nicht den falschen Adapter eingepackt, hätte das sogar geklappt. So habe ich mir mein neues Umfeld einfach ein bisschen genauer angesehen und mich detailliert in die Geheimnisse des Mensa-Besuchs einweihen lassen. Meine rudimentären Fähigkeiten an den Essstäbchen wurden zwar gewürdigt, allerdings auch gleich für verbesserungsbedürftig empfunden und einem Korrekturversuch unterzogen. Aber um ehrlich zu sein, ich brauch noch ne Weile, bis ich beim essen so locker aussehe wie meine Lehrmeister. Wie die das nur machen?
Gegen Abend hieß es Koffer - oder viel eher Rucksack - packen, der Berg ruft! Auf ausgerechnet für mich dieses erste Wochenende in Japan wurde der alljährliche Labor-Ski-Ausflug gelegt. Und da man sich nicht lumpen lassen will, muss es für die zwei Tage schon das Skigebiet sein: Das Shiga-kōgen-Areal in der Präfektur Nagano erhielt spätestens 1998 weltweite Berühmtheit, als es Schauplatz der Olympischen Winterspiele wurde. Hier säumen sich mehr als 70 Lifte und 100 Hotels in einer atemberaubend schönen Alpenlandschaft.
Wenn ich mehr über diese Gegend hier gelernt habe, möchte ich noch mehr dazu schreiben, denn das Kansai-Gebiet ist aufgrund seiner historischen Relevanz eines der absolut wichtigsten Landstriche Japans. Man kann sogar behaupten, hier hat Japan seinen Ursprung (und an dieser Stelle schiele ich gaaanz unauffällig Richtung Blog-Untertitel...)
Mein Apartment werde ich insgesamt nur zwei Wochen lang bewohnen, danach werde ich umgesiedelt in das zum NAIST zugehörigen Gästehaus.
Nun aber weiter mit dem zweiten Tag bzw. Wochenende:
Denn es ging gleich mit Vollgas weiter, keine Zeit, überhaupt an ein kurzes Zu-sich-kommen zu denken! Um 7 aufgewacht, war ich doch schon ein bisschen stolz, nicht allzu sehr am Jet zu laggen, meine Strategie ging anscheinend auf ;)
Also ab ans NAIST und versuchen, ein bisschen produktiv zu sein. Hätte ich nicht den falschen Adapter eingepackt, hätte das sogar geklappt. So habe ich mir mein neues Umfeld einfach ein bisschen genauer angesehen und mich detailliert in die Geheimnisse des Mensa-Besuchs einweihen lassen. Meine rudimentären Fähigkeiten an den Essstäbchen wurden zwar gewürdigt, allerdings auch gleich für verbesserungsbedürftig empfunden und einem Korrekturversuch unterzogen. Aber um ehrlich zu sein, ich brauch noch ne Weile, bis ich beim essen so locker aussehe wie meine Lehrmeister. Wie die das nur machen?
Gegen Abend hieß es Koffer - oder viel eher Rucksack - packen, der Berg ruft! Auf ausgerechnet für mich dieses erste Wochenende in Japan wurde der alljährliche Labor-Ski-Ausflug gelegt. Und da man sich nicht lumpen lassen will, muss es für die zwei Tage schon das Skigebiet sein: Das Shiga-kōgen-Areal in der Präfektur Nagano erhielt spätestens 1998 weltweite Berühmtheit, als es Schauplatz der Olympischen Winterspiele wurde. Hier säumen sich mehr als 70 Lifte und 100 Hotels in einer atemberaubend schönen Alpenlandschaft.
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| Moi, Kano-san, Moriguchi-san und Takamichi-san im Nachtbus gen Osaka. Ja, ich hätte meinen Mund zumachen sollen :) |
Aber da muss man erstmal hinkommen. Und das heißt, irgendwie 450 km hinter sich bringen, am besten Studentenbudget-freundlich. Und das bekommt man am besten hin mit den in Japan allseits beliebten Nachtbussen. Unser Nachtbus fuhr von Ōsaka aus ab, also erstmal rein in die Bahn und ab nach Namba, einem Stadtteil dieser Riesenstadt. Und hier kommen wir auch schon zur in der Überschrift olympiareifen Disziplin: Dem Instant-Einschlafen, sobald man durch die Zugtür getreten und einen Sitz- oder Stehplatz eingenommen hat. Ja, Japaner können auch im Stehen schlafen. Aber nicht nur die Kür an sich, auch die unglaubliche Synchrondarbietung kann beeindrucken: In einem Zugabteil kann schonmal gut und gerne 70% weggenickt sein. Weil ich das so genial fand, hab ich das auch gleich mal ausprobiert, und siehe da, es hat geklappt. Irgendwann war ich tatsächlich weggenickt und musste kurz vor Namba sanft von Hiraoka-san aus dem Schlaf gestupst werden. Ok ok, ich hab ja mit meinem 11 Stunden-Flug auf dem Defizitkonto auch ein bisschen geschummelt...
In Osaka angekommen, hat mich Kano-san darauf aufmerksam gemacht, dass es kein Frühstück geben wird und Selbstverpflegung angesagt ist. Für den Abend wurde natürlich auch noch was gesucht, und an einer Sraßenecke in einigen schmalen Seitengassen wurden wir auch fündig: Es gab Takoyaki (たこ焼き, frittierte Oktopusbällchen), oder, wie ich es gerne nenne, glühende Lava. Diese Oktopusbällchen werden in speziellen Förmchen zurechtgeformt und gebraten. Mögen diese Dinger von außen temperaturtechnisch genießbar erscheinen, bricht im Mundraum das Höllenfeuer los! Takoyaki sind während des Essens so ultraheiß, dass man sich so ziemlich alles verbrennen kann, das in der Lage ist, Schmerz zu empfinden. Und irgendwie glaube ich, ist das genau der Grund, warum dieses Gericht so beliebt ist ;) Trotzdem das Essen eine wahre Herausforderung ist, schmecken die Bällchen sehr sehr gut!
Nach der Verproviantierung mit Onigiri (御握り, mit getrockneten Algen umhüllte Reisbällchen) und kaltem grünem Tee gings los mit dem Nachtbus Richtung Nagano. Noch in Osaka stieß ein Amerikaner deutscher Abstammung zu uns, der seit sieben Jahren in Japan lebt und am NICT beschäftigt ist, d.h. zum Bekanntenkreis meines japanischen Professors gehört. Er sollte für dieses Wochenende eine sehr wichtige Hilfe und Anlaufstelle bei jeglichen Kommunikationsproblemen sein! Die Busfahrt hat gute zehn Stunden gedauert, und diesmal hat das mit dem Schlafen nicht so gut geklappt. Die Mitinsassen haben in ihrer Paradedisziplin natürlich fantastisch brilliert :)
Nach der Ankunft in Nagano und vor dem Anfahren des Ziels wurde ein kleiner Zwischenstopp notwendig: Ohne Schneeketten geht hier gar nichts. An unserem Hotel mit dem schönen Namen Kodama (dt.: Echo) angekommen, hat sich die Landschaft bereits in ihrer vollen Schönheit bei sich verziehenden Wolken und durchkämpfender Sonne gezeigt. Was man hier vorfindet ist eine Alpenlandschaft mit vielen kleinen Bergen, die allerdings weitaus weniger zusammengerückt und schroff wirken wie jene unserer bekannten Alpen. Die Gipfel sind hier vielmehr deutlich erodierter und bilden einen sanften Gipfelkamm.
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| Kurz, bevor die Wolkendecke aufreißt. Im Vordergrund Graham-san. |
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| Blick ins Tal nach den ersten paar Abfahrten. |
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| Odagaki-san und Moriguchi-san schon völlig routiniert! |
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| Graham-san auf einer der größeren Abfahrten. |
Gut ausgepowert sollten einige wohltuende Minuten in einem typischen japanischen Bad (銭湯, Sentō) auf das Abendessen vorbereiten. Nach einem solchen Bad zieht man für gewöhlich einen Yukata an, ein leichter Alltagskimono, der u.a. auch als Schlafanzug dient. So eingekleidet bewegt man sich ganz normal in der Hotelanlage, besucht so also auch das Abendessen. Ja, davon gibt es Bilder, nein, ich bin nicht in deren Besitz ;) Zum Abendessen wurde Sukiyaki (すき焼き) aufgetischt: In der Mitte des Tisches steht ein beheizter Topf, in welchem Sojasoße zum kochen gebracht und diverse Dinge wie Fleischstreifen und Gemüse geköchelt wird. Dazu gibt es weiteres Allerlei wie Sashimi (刺身, aufgeschnittener roher Fisch) oder weitere Gemüsearten. Völlig gesättigt hat man sich in die traditionell japanischen Zimmer begeben und sich in seinen auf dem Boden ausliegenden Futon gekuschelt. Und ja, es war sowas von gemütlich!
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| Traumhafter Ausblick am zweiten Tag. |
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| Die Pro-Gruppe rund um den Professor, der die Pisten im Schlaf runterzackert! |
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| Blick auf die Gipfelkämme des Shiga-Kogen-Areals. |
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| Perfecter Course ;) |
Der zweite Tag wurde genutzt, um ausgiebig den "Giant Course" abzufahren, also der Ort, der Anno 1998 Schauplatz des olympischen Riesenslaloms war. Hier ist auch der Schauplatz des oben genannten wahren Wunders: Moriguchi-san, der zu diesem Zeitpunkt etwa 8-10 Stunden Skierfahrung gesammelt hat, fuhr doch glatt den Giant course runter, ohne auch nur einmal zu stürzen! Und das will was heißen, die Piste hat es nämlich in sich! Auch an diesem Tag sollte ein heißes Bad den Abschluss bilden, diesmal ging es aber in ein Onsen (温泉). Der Unterschied ist, dass das Wasser hier aus einer heißen Quelle im Erdboden stammt. In diesem Fall sprudelte das Wasser mit über 90° aus der Quelle und wurde deshalb auf erträgliche 46° runtergekühlt. Mit dem Nachtbus ging es anschließend wieder nach Hause gen Nara-Präfektur.
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| Zwei Torii (鳥居) mitten in einem kleinen Waldstück auf der Piste. Hier wohnt ein Gott. |
Wie man an der Länge des Textes sieht, waren diese 2 Tage Skifahren vollgestopft bis obenhin mit Erfahrungen, die ich mir in dieser kurzen Zeit garantiert nicht vorgestellt hätte machen zu dürfen! Ein Wochenende, das einem den Atem verschlagen kann...











Nice, da hast du ja schon richtig was gesehen vom Land! Wie läuft das so mit Kimono und Bad und Essen - hast du dich vorher über alles informiert, erklärt dir jemand alles oder machst du da auch mal was falsch?
AntwortenLöschenLiebe Grüße aus Leonberg :)
Na, dass sind aber Bilder, die man nicht unbedingt sofort mit Japan in Verbindung bringt ;)
AntwortenLöschenAber sehr cool, dass du sowas mitmachen konntest. Da wird man auf jeden Fall etwas neidisch ;)
Freu mich auf weitere Einträge von dir und hoffe, dass du dich gut in Japan einlebst!
またね、
ビヨルン
@Tanja, ich hab mich zwar vorher informiert über alles mögliche, aber am Ende weiß man doch nie so genau, was man machen soll ;) Ich hab mich da einfach an die Ratschläge des Amerikaners gehalten. Was den Yukata anlegen angeht, das ist ziemlich einfach, weil er wie ein weiter Bademandel o.ä. geschnitten ist. Achten sollte man nur darauf, die linke über die rechte Seite zu schlagen, das wusste ich zwar schon vom Judo, hab aber trotzdem nochmal gefragt ;)
AntwortenLöschenVor dem Bad ist es wichtig, sich gründlich (!) zu waschen, daher am besten demonstrativ viel Seife verwenden ;) Die muss aber natürlich wieder gründlich abgespült werden.
Was das Essen betrifft, gabs es jetzt keine bestimmten Dinge, die man hätte falsch machen können. Zum guten Ton gehört, bevor man anfängt zu Essen Itadakimasu (いただきます, wörtl. "Ich erhalte", also "Ich fange an (zu essen)") zu sagen, und am Ende/beim gehen mit Gochisousama (deshita) (ごちそうさま(でした), sowas wie "Das war ein Festessen!") den Dank an den Essenszubereiter zu richten, auch wenn der vielleicht gar nicht zugegen ist.
@Björn, ja, das stimmt, sind keine typischen "Japan-Bilder" ;) Solche muss ich auch mal noch machen! Dann stell ich mich mal wie ein Touri in ne Seitengasse und fotografiere einfach mal typische japanische Straßenzüge :P Hab gesehen, dass in der Nähe des NAIST ein Park ist, da sollte ich auf jeden Fall mal rein!
Grüße,
Michael